16.08.14 Informationstechnologie: Chancen für die Fünfte Schweiz

 


An diesem Wochenende sind die Auslandschweizer in Baden zu ihrem 92. Kongress zusammengekommen. Im Rahmen des Kongressthemas «Informationstechnologie und soziale Medien: Chancen für die Fünfte Schweiz» hat sich die Plenarversammlung heute mit den Herausforderungen befasst, die elektronische Medien für die Auslandschweizer mit sich bringen. Die in einem Eröffnungsreferat von Otfried Jarren, Professor für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich, vorgestellte Thematik sorgte auch bei zwei Diskussionspanels für einen regen Austausch. Unter den Teilnehmern befanden sich Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft sowie Vertreter der Jugend. Schliesslich wandte sich Bundesrat Alain Berset im Namen der Regierung an die Kongressteilnehmer.

 

Während drei Tagen kamen knapp 320 Schweizer aus der ganzen Welt nach Baden, um am 92. Auslandschweizer-Kongress teilzunehmen. Dieser jährlich von der Auslandschweizer-Organisation (ASO) organisierte Anlass versteht sich als Diskussions- und Reflexionsplattform, die gleichzeitig eine internationale und eine schweizerische Sichtweise auf aktuelle Themen, die unser Land betreffen, bietet. 732'000 Schweizer leben ausserhalb unserer Landesgrenzen; 155'000 davon sind in einem Stimmregister eingetragen, um ihre politischen Rechte auszuüben. Es ist wichtig, dass auch sie in der Schweiz Gehör finden. Dieses Jahr standen Informationstechnologien und soziale Medien im Zusammenhang mit der Fünften Schweiz im Mittelpunkt der Gespräche.

 

In seiner Willkommensansprache war der Präsident der ASO und ehemalige Genfer Nationalrat Jacques-Simon Eggly darauf bedacht, an die Gespräche des Vortags während der Sitzung des Auslandschweizerrates anzuknüpfen. Darüber hinaus stellte er die Resolution zur Forderung der Beibehaltung der Immatrikulationspflicht im Rahmen des Auslandschweizergesetzes vor. Diese Resolution war am Freitag vom Auslandschweizerrat angenommen worden. „Nur wenn man dieses Zielpublikum kennt, ist es möglich, eine globale Politik für die Auslandschweizer zu entwickeln, wie es das Gesetz und Artikel 40 der Bundesverfassung vorsehen“, lautete der Appell von Jacques Simon Eggly.

 

Demokratie und soziale Medien

In seinem Eröffnungsreferat beleuchtete Otfried Jarren die verschiedenen Aspekte von Informationstechnologien und sozialen Medien im Zusammenhang mit der Fünften Schweiz. Er zeigte auf, wie die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft unsere politischen Institutionen beeinflusst. „Die Nationalstaaten und das System der nationalstaatlichen Demokratie kommen an ihre Grenzen“, sagte er.“ Globalisierung ist eben nicht nur ein massives ökonomisches Phänomen, sondern durch die Digitalisierung auch ein kulturelles und somit kommunikatives.“ Mit dem Internet und den sozialen Medien erhalte die Demokratie ein neues Gesicht. Da die traditionellen Medien um die elektronischen und sozialen Medien erweitert würden, wachse auch der Raum für soziale und politische Interaktion. Damit entstünden sich aber auch neue Sicherheitsprobleme. Otfied Jarren gab zu, nicht zu wissen, wie die Demokratie in 20 Jahren aussehen wird. „Aber in einem Punkt bin ich mir sicher: Unsere Demokratie liegt in unseren Händen, sie wird durch kluge Entscheide immer wieder neu gestaltet – aber sie wird nicht von Technologien gesichert“, sagte er.

 

Aus diesem Grund ist es wichtig und ein grosses Anliegen der ASO, die politische Beteiligung der Auslandschweizer zu verstärken und zu fördern. Das E-Voting bietet – vorausgesetzt, dass es alle Sicherheitsanforderungen erfüllt – viel versprechende Perspektiven für die Entwicklung der Demokratie und die Wahrnehmung der Bürgerrechte. Dank der neuen Informationstechnologien könnten „Schweizer von überall auf der Welt sich in unserem Land Gehör verschaffen. Umgekehrt können sich die Behörden derselben Kanäle und Technologien bedienen, um zu informieren, Kontakt aufzunehmen und letztendlich eine starke Beziehung zu den Mitgliedern unserer Diaspora zu pflegen“, betonte Jacques-Simon Eggly.

 

Zwei Diskussionspanels: „E-Democracy“ und „Die Jugend und die Online-Netzwerke“

Der Tag setzte sich mit zwei Diskussionspanels fort, bei denen die theoretischen und praktischen Aspekte der Informationstechnologien und sozialen Medien sowie die Herausforderungen, die sie für die Fünfte Schweiz mit sich bringen, untersucht wurden. Diskutiert wurde zwischen Kongressteilnehmern, Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft sowie Jugendlichen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Kongresses ist es, den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern in unserem Land Gehör zu verschaffen. Am Diskussionspanel zur E-Democracy beteiligten sich Balthasar Glättli, Nationalrat (Grüne ZH), Bruno Kaufmann, Korrespondent von SRF und Chefredaktor von people2power.info, Uwe Serdült, wissenschaftlicher Abteilungsleiter und Lehrbeauftragter im Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) und Anja Wyden Guelpa, Staatsschreiberin des Kantons Genf.

Gleichzeitig hatten beim Diskussionspanel zum Thema „Die Jugend und die Online-Netzwerke“ die „Digital Natives“ das Wort – die Jugendlichen, die mit den neuen Informationstechnologien aufgewachsen sind. Sie hatten sich in der Woche vor dem Kongress im Rahmen eines thematischen Seminars auf die Fragen vorbereitet. Es äusserten sich des Weiteren Anna-Lena Nadler, Co-Präsidentin des Forums Jugendsession, Damian Vogt, UNO-Jugenddelegierter und Philippe Wampfler, Experte für Lernen mit neuen Medien.

 

Ansprache des Bundesrates

Bundesrat Alain Berset, der sich im Namen der Regierung an die Kongressteilnehmer wandte, erntete viel Applaus für seine Ausführungen. Er, der in Brasilien und in Deutschland als aus Auslandschweizer gelebt hat, sagte: „Die Fünfte Schweiz versteht das Ausland. Aber sie versteht auch das Inland ? vielleicht manchmal besser als wir Inland-Schweizer. Weil die Entfernung bekanntlich den Blick für das Wesentliche schärft. In der Globalisierung muss man sich mit den Augen der Anderen betrachten können. Denn es wimmelt bekanntlich von Missverständnissen, Fehleinschätzungen, Kommunikationspannen.“

 

Das Thema des Kongresses eignete sich auch hervorragend für die Lancierung des neuen Projektes der ASO, Friends of SwissCommunity. Die Freunde von SwissCommunity möchten das virtuelle Netz der Auslandschweizer durch Spenden unterstützen. Die seit vier Jahren bestehende Plattform zählt bereits knapp 31'000 Mitglieder. Friends of SwissCommunity dürfte eine weitere Ausweitung des Netzes ermöglichen.

 

 

Weitere Informationen

Auslandschweizer-Organisation (ASO)

Célia Francillon - +41 31 356 61 00

francillon@aso.ch; www.aso.ch