15.08.15 Politische Partizipation: Bildung an erster Stelle

 


An diesem Wochenende sind Schweizer aus aller Welt in Genf zu ihrem 93. Jahreskongress zusammengekommen. Die Bürgerbildung stand im Zentrum der Diskussionen. Warum sinkt der Anteil der Stimmberechtigten stetig? Wie lassen sich primär die Jugend und die Auslandschweizer bilden und informieren, damit ihre politische Partizipation erhöht wird? Welche Massnahmen müssen ergriffen werden? Information und Bildung – Bedingungen für die Aufrechterhaltung einer lebendigen Demokratie – waren die Schlüsselwörter der Veranstaltung.

 

«Es kann kein wirkliches Bürgerbewusstsein geben ohne Kenntnis der Geschichte, des Genius Loci. Es ist eine Chance und mit Rechten verbunden, Schweizer zu sein, bedeutet aber auch Verantwortung und beinhaltet die Pflicht, sich zu bilden und zu informieren.»

Mit diesen Worten eröffnete der scheidende Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO) die Veranstaltung.

 

Menschenrechts- und Bürgerbildung
Bei den letzten eidgenössischen Wahlen 2011 haben nur 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler unter 35 Jahren einen Stimmzettel in die Urne gelegt. Eine im Jahr 2014 veröffentlichte Easyvote-Studie belegt, dass Entscheidungsfindung und politisches Engagement eng mit der Bürgerbildung bei den Jugendlichen verknüpft ist. Diese besonderen Bedürfnisse der Jugendlichen sind mit denen der 746'000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in Einklang zu bringen. Von ihnen sind 142'000 in einem Stimmregister eingetragen, um ihre politischen Rechte wahrnehmen zu können.
Aus diesem Grund sieht es der 93. Auslandschweizer-Kongress, der zwei Monate vor den nächsten eidgenössischen Wahlen stattfindet, als seine Pflicht an, konkret auf die umzusetzenden Massnahmen zur Förderung der politischen Partizipation einzugehen.


So erinnerte Manon Schick, Geschäftsleiterin der Schweizer Sektion von Amnesty International, daran, dass «Menschenrechtsbildung entscheidend dazu beitragen kann, junge Menschen zu bürgerschaftlichem Engagement zu motivieren, da sie den kritischen Verstand sowie die Fähigkeit und das Zutrauen zu handeln fördert – zwei grundlegende Voraussetzungen für eine gewisse politische Dynamik.» Weiter unterstrich sie die Notwendigkeit, politische Bildung und Menschenrechtsunterricht in der obligatorischen Schule einzuführen, da «die Schweiz, die weltweit als Vorbild in Sachen Demokratie gilt, verpflichtet ist, diese politische Dynamik zu bewahren».

 

Eine umfassende und anschauliche Information
Alle Redner betonten die Bedeutung einer aktiven politischen Partizipation, um die Wahrung einer lebendigen Demokratie zu gewährleisten. So wie Bildung von zentraler Bedeutung ist, ist es auch Information. Sie muss jedoch umfassend sein und so gestaltet sein, dass sie allgemein zugänglich ist. Diese Aussagen standen im Zentrum der Ausführungen von Peter Schibli, Direktor von Swissinfo, und Arthur Honegger, USA-Korrespondent von SRF (Schweizer Radio und Fernsehen). Diese gilt umso mehr für unsere Landsleute im Ausland, die sich abseits des aktuellen Geschehens in der Schweiz befinden.

 

Förderung der politischen Partizipation durch unterschiedliche Massnahmen
Die Staatsschreiberin des Kantons Genf, Anja Wyden Guelpa, sprach über die Projekte, die Genf vorantreibt, um die politische Teilnahme zu erhöhen. Dabei gebe es kein Patentrezept, sondern es handle sich um ein Mosaik von Massnahmen, von denen einige schon bei den ganzen Jungen ansetzten. Wettbewerbe, Führungen, Rollenspiele und Treffen sind ebenfalls Möglichkeiten, um jeden Einzelnen zur Teilnahme am politischen Leben der Schweiz zu motivieren.


Die Jugend debattiert
Im zweiten Teil der Veranstaltung fand eine Debatte zwischen acht jungen Auslandschweizern statt. Es ging darum, zu zeigen, dass die den Jugendlichen zur Verfügung gestellten Instrumente ihnen die Möglichkeit bieten, Ideen miteinander auszutauschen, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Im Vorfeld hatte Hans Stöckli, Präsident der Neuen Helvetischen Gesellschaft (NHG), den Anreiz betont, den die Bürgerbildung für die Partizipation der jüngsten Bürger darstelle. Dieses Thema ist der NHG wichtig. 2014 führte sie anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens das Programm «100 Projekte für die Bürgerbildung» ein.

 

Bedeutung der Stimmabgabe der Fünften Schweiz
Die Plenarversammlung endete mit den Worten von Bundesrätin Doris Leuthard, die noch einmal nachdrücklich darauf hinwies, dass die Schweiz die Auslandschweizer nötig habe, und betonte, dass deren Stimme zähle.

 

Der Auslandschweizer-Kongress wird einmal jährlich in der Schweiz abgehalten, anlässlich dessen kommen mehrere hundert Schweizer aus aller Welt zusammen. Die von der ASO organisierte Veranstaltung hat zum Ziel, den Mitgliedern der Fünften Schweiz in ihrer Heimat besser Gehör zu verschaffen. Sie versteht sich aber auch als Plattform für den Austausch und die Diskussion zwischen Schweizerinnen und Schweizern aus dem In- und Ausland über aktuelle Themen, die unser Land betreffen.

 

Auslandschweizer-Organisation
Anne-Catherine Clément – Medienbeauftragte
Tel. +41 (0)79 443 67 30 – clement@aso.ch

 

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